Autobiographischer Lebenslauf

von Walter Tralau (verfasst 1956, aus dem Nachlass)

Ich wurde in Segeberg in Holstein am 10.10.1904 als zweiter Sohn des Eisenbahn-Assistenten Friedrich Tralau geboren. Mein Vater verstarb sehr früh im Jahre 1906. Bis zur Übersiedlung unserer Familie nach Hamburg im Jahre 1917 besuchte ich dort die Knaben-Bürger und –Realschule und in Hamburg die Realschule in Barmbeck bis zur Untersekunda. Da meine Mutter durch den Krieg ihr kleines Vermögen verloren hatte und auf eine bescheidene Pension angewiesen war, war an ein Studium nicht zu denken. Ursprünglich wollte ich Maler werden und dann Architekt. Um dieses Ziel zu erreichen, lernte ich erst das Zimmerer-Handwerk bis zur Gesellenprüfung und besuchte während und nach der Lehrzeit die Staatstechnischen Lehranstalten in Hamburg bis zum Jahre 1925. Die Abschlussprüfung bestand ich mit Auszeichnung. Zwischenzeitlich war ich als Techniker in einem Baugeschäft tätig, um zusätzliche Mittel für das Studium zu erhalten.

Nach der Absolvierung der Schule arbeitete ich ein Jahr als Architekt bei der Heimstätte Schleswig-Holstein, wiederum, um mit dem verdienten Geld das Bauhaus in Dessau besuchen zu können. Aufgrund meiner Arbeiten im ersten Semester wurde ich von dem Leiter des Bauhauses, Prof.Walter Gropius, in sein Privat-Atelier übernommen, wo ich bis zum Jahre 1929 verblieb. Nebenbei habe ich die Vorlesungen am Bauhaus weiterbesucht. Anschliessend war ich bis zum Frühjahr 1930 Bürochef bei Architekt Haesler in Celle. Dort bearbeitete ich insbesondere grössere Siedlungsvorhaben in Celle, Kassel, Leipzig und anderes mehr. Ich schied aus, um mich selbständig zu machen, leider wegen der zeitbedingten ungünstigen wirtschaftlichen Lage mit geringem Erfolg, so dass ich gezwungen war, wieder eine Stellung anzunehmen.

In den schlechten Jahren von 1930 – 34 war ich als Architekt bei der Oberpostdirektion in Hamburg tätig, habe unter der Leitung von Prof. Walter Gropius die Abteilung Kupferhausbau der Hirsch Kupfer- und Messingwerke organisiert und war anschliessend Mitarbeiter bei Prof. Schwippert in Aachen.

Im Frühjahr 1934 übernahm ich die Entwurfsabteilung der Bauabteilung der Heinkel Flugzeugwerke in Marienehe. Als Vertreter des Chefs, Prof.Dr.Rimpl habe ich bearbeitet: Verwaltungsgebäude, Werkstätten, Flugzeughallen, Kantinen und sonstige Gebäude. Anschliessend erhielt ich den Auftrag zur Errichtung von zwei Grosssiedlungen für die Heinkel-Werke Oranienburg: Die Siedlung Leegebruch mit 1200 Siedlerstellen, Schule, Gemeinschaftshaus, Wasserwerk usw. und die Siedlung Oranienburg mit 600 Geschosswohnungen.

Aufgrund dieser Leistung wurde unser Büro unter Leitung von Prof. Rimpl mit der Errichtung der Wohnungsbauten für die Reichswerke Watenstedt-Salzgitter beauftragt. Unter meiner Leitung als Zweigstellenleiter und Prokurist sind gebaut worden: 4 Grosssiedlungen und viele kleine Siedlungen einschl. Schwarzenfeld i/Bay. Mit etwa 12.000 Wohnungen, Schulen, Verkaufshäusern , Läden, Apotheken und andere Gebäude mehr. Nach Beendigung des Krieges und wegen Einstellen der Bauvorhaben im Salzgittergebiet übernahm ich 1946, wieder auf Empfehlung von Prof.Schwippert, die Leitung des Hochbauamtes der Stadt Köln.

Vom März 1950 bis Juli 1955 war ich Leiter des Wohnungsbauamtes einschl. der Abteilung Schulen im Hochbauamt, da der frühere Baudirektor wieder Anspruch auf seinen Posten erhoben hatte. Nach dessen Ausscheiden wurde mir am 1.7.1955 wiederum die Gesamtleitung des Hochbauamtes übertragen.

An Wettbewerbserfolgen habe ich zu verzeichnen:

Im Jahre 1933 einen 2.Preis für eine Kongress-Sport- und Ausstellungshalle in Hamburg, 1949 einen 1.Preis, einen Ankauf, sowie eine lobende Erwähnung für Wohnungsgrundrisse für das Land Nordrhein-Westfalen, 1950 einen 1.Preis für Wohnungsgrundrisse für das Griechenmarktviertel in Köln.

Nebenberuflich war ich tätig für das Wiederaufbauministerium als Mitarbeiter für Bergmannswohnungsgrundrisse und im Deutschen Normen-Ausschuss.

Seit 1929 bin ich verheiratet. Aus der Ehe sind drei Kinder hervorgegangen.

Politisch war ich nie tätig, auch nicht Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen.

Soweit der Lebenslauf aus dem Nachlass.

Am 30.12.1975 starb Walter Tralau in Köln, nur 4 Jahre nach seiner Ehefrau Elly, geb.Krahn.

Eine Geschichte am Rande der Geschichte:

Während der Zeit der Planungs- und Bauphasen in Watenstedt-Salzgitter lebte die Familie im nahe gelegenen Wolfenbüttel. Am frühen Morgen des 8.Mai 1945, der Tag, an welchem der Einzug der Amerikaner erwartet wurde, ging Walter Tralau an den entsprechenden Punkt am Stadtrand, gab sich als Bote der Deutschen Heeresleitung aus mit dem Befehl, alle Barrikaden sofort zu entfernen und jeden Widerstand beim Einmarsch des Amerikanischen Heeres zu unterlassen. Mit Erleichterung befolgten die Bewohner diesem „Befehl“ – Wolfenbüttel wurde nicht verteidigt – und blieb unzerstört.

Hätte besagte Heeresleitung von dieser Aktion Wind bekommen, wäre Walter Tralau sofort standrechtlich erschossen worden, aber diese hatte sich bereits klammheimlich aus dem Staube gemacht.

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Tabellarischer Lebenslauf  

Wettbewerbe und Preise

Walter Tralau bei Wikipedia

wt_wtralau_1972_1  Walter Tralau 1972. Bilder anklicken vergössert diese

  wt_wtralau1948-52  Walter Tralau 1948


wt_wtralau1928  Walter Tralau 1928

 


wt_kongresshallehamburg  Entwurf Kongresshalle Hamburg


 

wt_metallplastik1927  Metallplastik 1928 Vorklasse Bauhaus


wt_papierplastik1926_6  Papierplastik 1927 Vorklasse Bauhaus


wt_papierplastik1926_4  Papierplastik 1927 Vorklasse Bauhaus


wt_papierplastik1926_5  Papierplastik 1927 Vorklasse Bauhaus


wt_papierplastik1926_4  Papierplastik 1927 Vorklasse Bauhaus


wt_papierplastik1926_3  Papierplastik 1927 Vorklasse Bauhaus

 

 

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