Die Un-Zeichnung

Zeichnungen Marianne Tralau

Die Un-Zeichnung

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In meinem Bekanntenkreis gibt es eine ganze Reihe freundlicher, aufrichtiger Menschen, die nichts mit Kunst zu tun haben. Ich habe Schwierigkeiten mit ihnen weil ich weiß, daß sie Probleme mit mir hätten, wenn sie meine Zeichnungen sehen würden. Sie würden sich verarscht fühlen.
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Unzeichnung auf Notenständer

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Selbst – mit Unzeichnung


Wenn ich zeichne suche ich eigentlich nur den richtigen Strich in der richtigen Stärke an der richtigen Stelle auf dem richtigen Papier im richtigen Format. Manchmal werden Häuser draus. Aber auch damit könnte ich niemanden glücklich machen, denn das können die auch: Das-ist-das-Haus-vom-Ni-ko-laus. Zum Beispiel. Neulich hatte sich das so fest gefressen in mir, daß ich nicht mehr zeichnen konnte: Ich war blockiert. (Ich suchte nach Themen, ich Idiot).
Es hat eine Weile gedauert, bis mir die Befreiung einfiel: Eine Wortfindung. Ich habe die Un-Zeichnung erfunden.

Die Un-Zeichnung ist eine Spur – ein Strich – auf einem Grund (Papier), sie/er erhebt lediglich den Anspruch auf „Sein“ – ohne Bewertung.

Er (der Strich) muß nicht einmalig sein, er ist durchaus in gleicher Weise auf einem anderen Blatt wiederholbar, also ein Un-Unikat.

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Er braucht nichts darzustellen – außer sich selber. Ein emanzipierter Strich.
Ein Problem der Un-Zeichnung:
Es fällt manchmal schwer sie zu mögen, sie ist eben „Un“.


 

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