45. 4.2.07

 

45. – Frühstücksbühne 4.2.07

 Thema: Geld

Geld- du bist an allem Schuld

Goldene Kotze!

Wenn man alles was sich reimt
zu einem Stück zusammen leimt
zu einem Auftritt der Worte-
gibt es heute Morgen Torte.
und isst sie auch kein Geld,
so hoff ich dennoch, dass es Gefällt
und sag womit ich euch und uns sodann auch rühme:
„seit herzlich willkommen zur Frühstücksbühne!“

wir fangen an es ist fast soweit-
Das Thema plagt mich auch schon seit einiger Zeit:

ihr kennt es alle- es ist:
Geld!
Gefällt wenn man’s hat
nicht aber wenn nicht.

-wechselschicht-

zischen Gutdrauf und Sorgen
morgen sauf ich auf
den verlauf
der dinge- springe
von einem Punkt zum nächsten
selten dorthin wo ich soll
darauf bin ich stolz-
aber was soll’s- soll
hab ich schließlich auch auf dem Konto
Pronto, pronto! Ich will mein Geld zurück.

zum Glück nur schulden auf der Bank!
Schon krank-
dass sie uns mehr als jene im Herzen plagen
die wir ein Lebtag lang tief in uns tragen
AU VERDAMMT! Mein Magen.
… es tut so weh.
Da muss ich noch sagen:
Die argen, Vorväter unserer Generation
hatten auch schon- Schulden im Herzen
und vererbten – welch ein Jammer –
diese furchtbaren Schmerzen-
was jetzt kommt ist echt der Hammer:

– an ihre Kinder –

Rinder! Wahnsinn! Blut verseuchtes Geld,
BSE in aller Welt. jippie juchey
Du frisst und stirbst daran!

mjam! mjam jamjam.
Fleisch ist gut und wirklich lecker
zum sterben stell ich heut den Wecker
ja, ich bin ein Held dem das gefällt
Ich bin Flexibel und auch wendig
grau und ganz und gar lebendig.

heut kauf ich auf den Untergang!
morgen dem tot sein Lobgesang
Laufe Barfuß durch die Scherben
gehe reich in das verderben
komm mit mein kind- ich mach dich blind
und es gibt auch was zu erben.

komm hier hinter diese Tür
ich erzähle dir dann auch wofür!
lecker Geld, kannst alles kaufen
wirst dich sowieso verlaufen
draußen- also komm und

frag nicht blöd und mach den job
glaube mir!
Richtung Freiheit steht nicht stopp
glaube mir!
nicht zu gucken ist echt wichtig-
was ich sage ich immer richtig-
deshalb sei so lieb und gib dir mühe
glaube mir-
auf dem Asphalt da grasen Kühe!
selber denken- braune brühe-

wenn dass so vor sich her verläuft
und man sich nebenher besäuft
und ist dieser nicht total dahin
dann gibt folgendes nen Sinn
Schuhu, schuhu: ich bin nicht Eule
sondern Kuh.

…äh.

muh. Muhaha! Trallala Farallala
alles fein ganz wunderbar
setz dich hin und keine eile
trink ein Bier und bleib ne weile
prost auf diese welt-
denn sie ist so schön und heile.
einmal froh sein kost 10 Geld
Werbetafel Himmelszelt:

keine Sekunde zu verschwenden
sich dem elend zuzuwenden-

weite ferne, glitter flimmer
wofür hab ich denn mein Zimmer
Raab und co. und wie auch immer
falsche sterne- ganz bombastisch
andre hungern- mir geht’s fantastisch
und falls du denkst ich sei sarkastisch
muss ich sagen_“ du irrst dich drastisch!“
denn es war und bleibt wies ist-
ich heiße Finn und bin Zynist!!!

F.N. May

Geld Geld Geld

Da kam er angeradelt mein Lehrmeister-Knikerbocker, Halbglatze.
Er kam zur Baustelle und verteilte die gelben Lohnzettel.Drei Gesellen, ich kam als letzter dran. Es war mein erstes verdientes Geld. 6, -DM, Lehrlingsbeihilfe nannte man es damals.
So lernten wir uns kennen-das Geld und ich.

Er kam immer vormittags am Freitag, schimpfte mit den Gesellen, hinterließ für jeden eine Lohntüte und verschwand meistens so wie er gekommen war.
Wenn dann die Mittagspause kam verwandelte sich ein Teil meiner Lehrlingsbeihilfe auf wunderbarer Weise in ein viertel warmer Fleischwurst ( 60 Pf.)- einem Brötchen (7Pf.) Einer Flasche Milch (25 Pf.) und als Höhepunkt eine Schachtel „Goria“ das waren 10 Filterzickaretten die kosteten allerdings 1-DM. Wenn der Alte nicht da war durfte ich rauchen- die Gesellen hatten nichts dagegen. Samstags wurde nur bis 1 Uhr gearbeitet
Das war immer ein schönes Wochende. ¼ Fleischwurst, eine Zickarette und einen halben Liter Milch Das alles konnte ich mir für Geld kaufen.
Das es sich oft so rar bei mir machte –das Geld—schmälert keinesfalls meine Liebe und meine Freundschaft zu ihm.
Einen Freund, der sich rar macht und den man selten zu Gesicht bekommt, bleibt doch immer noch ein Freund.

In einer lauen Nacht, in der ich vor Glück fast zersprang, und die Sehnsucht in mein junges Leben jubelte, kamen die Worte wie Hammerschläge zu mir:
„Sag mal, wie soll es weitergehen mit uns?

Ich möchte ein Haus ein sorgenfreies Leben und meine Kinder, denen sollte es an nicht mangeln, mit Deinem kargen Glaserlohn wird das wohl nichts“. Sagte es und ging mit wibenten Schritten aus meinem Leben. Mein Pech war, das alle meine Freundinnen kluge Frauen waren.
Allen Unbill der mir widerfuhr konnte also nur das fehlend Geld sein.
So beschloss ich mich für alle Zeit dem Geld und mein Wohlwollen zu ihm Adjö zu sagen. Was mir nicht besonders schwer fiel, da ich ja doch wenig davon besaß.
So wie ich mich vom Geld lossagte, sagte ich auch der Sesshaftigkeit adiö.
Irgendwo in Frankreich, nach langer Trampfahrt endeckte ich sie wieder—meine Liebe zum Geld.
Ich war mal wieder total Abgebrand und in meiner Hosentasche war kein Sou mehr und wenn mich der Hunger zu sehr plagte trank ich mir den Bauch voll Wasser und in meiner Fantasie verwandelte sich das unschuldige Wasser in dicker fetter Erbsensuppe, manchmal war es sogar Wurstsalat nach Schweizer Art.
Ein freundlicher ältere Herr nahm mich in seinem Lieferwagen mit und fragte mich höflich, ob ich ihm beim Abladen helfen könnte.
Ich half ihm gerne und zum Dank gab er mir eine Handvoll Franc.
In einer Bäckerei kaufte ich mir ein Langbrot –ein Glas Honig und einen Liter Milch. Es blieb noch genügend Geld übrig.
Unter einem Kastanienbaum garniert mit saftigem Gras saß ich dann satt und liebäugelte mit meinen restverbliebenen Geld.

Das Geld und ich waren wieder dicke Freunde!
Glaubt mir: Arm sein kann sogar schön sein, weil Armut frei macht!
Aber immer eine Münze in der Tasche für den Hunger-sollte man schon haben.
Mein Verhältnis zum Geld änderte sich vom Tage an—ich wurde neugierig und ich beschloss zu hinterfragen, was ist denn dran am Geld?
In Rendsburg an der Heimvolkshochschule bekam ich reichlich Antwort auf dieser für mich so wichtiger Frage. Nach einem halben Jahr wusste ich so ziemlich alles über Geld.
Geld ist wie ein lebender Organismus von Tausenden Zellen, die sich wiederum ständig teilen in Unternehmerformen –Devisen Bruttosocialprodukten-Goldreserven in Fort Nox-Börsen –Aktienmärkte und—und—und.
Na ja, ich hatte auf einmal einen Heidenrespekt
Vor der Vielseitigkeit des Geldes!
Heute im vortgeschriteten Alter komme ich zu folgenden Ergebnis: Bis zur Hälfte eines Lebens sollte der Mensch ein Anrecht auf Armut haben, denn Armut macht frei!
In der Hälfte seiner verbliebenen Hälfte sollte er Vorsorgen und ordentlich Kohle verdienen!
In der letzten Hälfte seiner verbliebenen Hälfte, wenn sich weniger bewegt in seinen Gliedern, kann er dann mit Würde über den Sinn des Lebens nachdenken.
Dann hat sein Haus ein Dach und der Winter kann kommen.
Und seid sicher, der Winter kommt

Friedrich Schenk

 

[Frühstücksbühne Museum]