Literaturkästen

Die Tralau

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Planung der literarischen Nudelobjekte

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Als im Frühjahr 2005 meine Vorstellung Gestalt annahm, Literatur und Buchstabennudeln in einen derartigen Zusammenhang zu bringen, dass daraus ein Objekt entsteht, hatte ich an umfangreiche Werke gedacht wie beispielsweise „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust in 7 Bänden.

Als rechnerisches Versuchsobjekt lag mir lediglich eine sechsbändige Ausgabe „Die Erzählungen aus den 1001 Nächten“ vor. Soll jedem gedruckten Buchstaben eine Nudel entsprechen, so sieht die Rechnung aus wie folgt:

Alle sechs Bände zusammen haben 4740 bedruckte Seiten mit jeweils durchschnittlich 1477 Buchstaben. Das sind insgesamt 7000 980 Buchstaben.

Umgesetzt in Nudeln: 7000 980 x 0,015 Gramm (ein Nudelgewicht) so ergibt sich ein Verbrauch von 105015 Gramm oder 105 Kilogramm.

Nach dieser Erkenntnis habe ich mich einem schmaleren Bändchen zugewandt. (Siehe Literaturkasten 1).


 Literaturkasten 1 – 2005

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„Die Geschichte der O“ –  (Klassischer Porno) – Originaltitel „Histoire d’O“ von Pauline Reage, erstmalig erschienen 1954 in Paris

Ausgehend von einer Ausgabe mit 246 bedruckten Seiten (einschließlich des Vorworts) bei jeweils durchschnittlich 1212 Buchstaben pro Seite entsprechen 298152 Buchstabennudeln dem Gesamtwerk. Da 1000 Nudeln 15 Gramm wiegen, stellt die sorgsam abgewogene und in einem Plastikkasten präsentierte Menge von 4,472 Kilogramm Suppennudeln in Buchstabenform das literarische Werk rein rechnerisch in adäquater Weise dar.

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 Literaturkasten 2 – 2005

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Rainer Maria Rilke  –  Herbsttag

Plastikkasten mit 399 Buchstabennudeln, entsprechend den Buchstaben des Gedichtes, „Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“: A 18, B 9, C 8, D 21, E 77, F 6, G 10, H 20, I 33, J 3, K 2, L 21, M 3, N 48, O 7, R 27, S 25, T 20, U 18, V 2, W 13, Z 8. (Umlaute sind mit zwei Buchstaben gezählt).

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Literaturkasten 3 – 2006

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„Die Suche nach der letzten Zahl“ von Juri Rycheu

 Lange hat sich in meinem Materialfundus ein hölzernes Köfferchen mit Tragegriff befunden, vermutlich zum sorgsamen Aufbewahren von Zeichenutensilien für den Schulgebrauch aus der Generation meines Vaters, Jahrgang 1904.

Im Laufe der Jahre sind verschiedene Versuche meinerseits, es als Ausgangsding für ein Kunstwerk zu gebrauchen, fehl geschlagen und haben es jedes Mal mehr zerstört.

 Jetzt kann man durch ein vor langer Zeit gebrochenes Loch hineinschauen und bemerken, dass drinnen nichts anderes sich befindet als draußen, vorne und hinten, nämlich auf weißer Fläche eine scheinbar zufällige Abfolge von Hauptwörtern. Sie stammen aus einem Buch von Juri Rycheu „Die Suche nach der letzten Zahl“, Seite 98 bis 106 und Seite 382 bis Ende.


 Marianne Tralau – Literaturobjekt 4 März 2008

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Auf einem Sockel neben der Nudelsäule ist folgender Text zu lesen:

Miguel de Cervantes Saavedra:
Der sinnreiche Junker DON QUIJOTE von der Mancha
Sonderausgabe für die Mitglieder der STUTTGARTER HAUSBÜCHEREI, verlegt 1956 im Winkler-Verlag München – Vollständige Ausgabe in der Übersetzung von Ludwig Braunfels.1019 bedruckte Seiten, unter Berücksichtigung von Sonetten, Liedern und Illustrationen mit einer Buchstabenanzahl von 2.090.398 insgesamt oder 87,8 kg Buchstabennudeln.

Fast jeder Betrachter stellt die Frage, ob das denn so stimmt – mit der Identität der Buchstaben im Buch und in der Säule. Natürlich stimmt sie – gewogen und errechnet aber nicht gezählt. Wer es genau wissen will, der möge das tun.
Außerdem stammt dieser Haufen Buchstaben aus einem fremden Fundus,
Material aus der Lebensmittelbranche. Das produziert Gegner: Mit Lebensmitteln spielt man nicht.
Aber genau an diesem Punkt hat dieses Werk vor langer Zeit seinen Anfang genommen: Als Kinder haben wir die aus der Suppe gefischten Nudeln auf dem Tellerrand zu unseren Namen angeordnet.

Jedes Ding bietet viele Seiten der Betrachtung; Weltliteratur ist – auch – ein Haufen Buchstaben.

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