24.- 6.2.05

 

24. – Frühstücksbühne 6.2.05

Thema: Stöpsel und Sandsäcke

Alternativmetapher zum roten Knopf

Ich schaue stumm auf meine Hände,
renn umher, renn gegen Wände,
überall nur grau und kalt,
lieber Drogen als Gewalt,
überall so still und leer,
lang ertrag ich das nicht mehr,
überall so kalt und grau
und ich weiß genau:

Ich halt das nicht mehr aus,
ich zieh den Stöpsel raus,
und nichts mehr da, was bleibt,
weil alles in den Abfluss treibt.

Die Politiker und Pfaffen,
alle Steuern, alle Waffen,
Katastrophen und Gefahr,
Aldi, Lidl, Penny, Spar,
Die Probleme und der Streit,
Gegenwart, Vergangenheit,
ja das alles treibt im nu
auf den Abfluss zu.

Ich such nach andern Möglichkeiten,
die das Ende vorbereiten,
ist der rote Knopf bei Gott
und die Fernbedienung Schrott,
ist die zweite Chance vergeigt,
Controll, Alt, Entfernen streikt,
wenn die Notfallhelfer fliehn,
muss den Stöpsel ziehn.

Zieh den Stöpsel raus
Zieh den Stöpsel raus

 Semjon

 Stöpsel und Sandsäcke

Wie viele Jahre, wie viele Leben, braucht ein Mensch, um das zu schaffen,
wo er leidet, wo er jammert, wo noch große Wunden klaffen,
ranzuschleppen, aufzubauen, säckeweise voll mit Sand,
aufzuschichten, abzusichern, man schaut kaum noch über’n Rand.

Da es sicher nun vollbracht ist, kann nichts mehr raus noch rein,
ein paar Stöpsel gut plaziert, jetzt kann man sich wohl sicher sein.

Doch ach, wie einsam ist nun diese mühsam selbstgeschaffene Welt?
Blieb vergessen bei der Planung, der Schutz war alles, was da zählt.

Ein Schlückchen Wein
den Stöpsel hebt,
aber nur ein bißchen.
Nicht zu viel,
ich schränk es ein,
hab noch ein wenig Schißchen.

Doch im Traum,
reiß ich ihn hoch,
ab in den Taumel,
in den Sog!
Trudeln, fallen,
durcheinander,
greifen, leben,
miteinander.
Treffen, lieben,
weitertrudeln,
atmen, sehen,
Macht der Strudel.
Hingabe, Hinnahme,
Freude, Licht,
Bunte Farben, leichtes Ich.

Teffi

 

[Frühstücksbühne Museum]