21.-7.11.04

21. – Frühstücksbühne 7.11.04

Thema: Krüppel und Greise

Marianne’s GeburtsTach

Ich hab es doch gewusst, ich hab es doch geahnt,
das Frühstücksbühnenthema ist kein Zufall, nein, es ist geplant,
So als impliziter Hinweis, jeden trifft die Greiserei,
und als Mensch der Tat versuchst du stets zu seien gut dabei.

Herzlichen Glückwunsch zum fortschreitenden Alter,
manch Tuch wart rot, manch Haar wart weiß durch Zeit,
Doch nach wie vor bleibst du ein Weltgestalter,
Suchst neues vorn, verlässt Vergangenheit.

Ich hab es doch gewusst, ich hab es doch gesagt,
denn Marianne Tralau ist im Utgard, es ist Donnerstag,
also feiern wir Geburtstag, mit viel Wicki, wie man sieht,
Und das Ende dieser Strophe heißt nicht Ende von dem Lied.

Ich hab es doch gewusst, weiß leider bloß nicht, was,
alles Gute, Marianne, am Geburtach hab viel Spaß,
sei weiter wie du sein willst und sorg für viel Geschrei,
nach drei Strophen und zwei Schluss-Refrains ist dieses Lied vorbei.

Semjon

 

Krüppel und Greise

Formen ud Stile sind hier außer acht,
hab mich an sowas wie ein Gedicht gemacht.
Wer’s nicht erträgt, der stopfe sich die Ohren,
mit mir ist halt ein Krüppel geboren.

Trotz Humangenetik, sämtlicher Ärzte und Geschwätz,
hat doch die Vererbungslehre ihr ganz eigenes Gesetz.
Nun doch vererbt, meine Eltern beschämt,
fast blind wie ’ne Teewurst, die Augen gelähmt.

Da kann man nicht machen, da hilft keine Pille,
da gab’s nur zur Krönung ’ne Mörderbrille.
gehänselt, geärgert und nichts zugetraut,
hab ich wohl dann eine Mauer gebaut.

Mein empfindlichstes Gut, meine Seele übergangen,
in Unverständnis tief gefangen.
Überfordert, belastet, verletzt und verbannt,
seelisch verhungert, Talent unerkannt.

Du brauchst kein Abi, was willst du mit Kunst?
So ist das Gefühl für mich selbst noch verhunzt.
Sich aus den Tiefen durch Mauern bricht,
ein Pflänzchen schlängelnd, Richtung Licht.
Noch jung und zerbrechlich, doch biegsam und weich,
bahnt sich den Weg in das Seelenreich.

Meine Beine, wenn auch lange, tragen mich so furchtbar schwer,
ach wie gerne würde ich wissen, wer ich denn nun wirklich wär.
Durch Vertändnis für die Menschen, sehe ich mein Spiegelbild,
kann ein wenig davon leben, nur nicht das es überquillt.

Stehe nicht auf eigenen Beinen,
hab es einfach nicht gelernt,
gehe mühsam noch an Krücken,
suche etwas was mich wärmt.

Ich kann spielen, wenn auch leise, passe mich den Rollen an,
in der Hoffnung, das ich daraus, mich ein wenig finden kann.

So, genug nun mal der Dramen, aufrecht schau ich in die Welt,
mein Humor und Sinn für Freude, mich bis jetzt am Leben hält.

Auch aus Asche wächst mal Leben, etwas Zeit ist dann von Nöten,
bin gespannt auf mich und sag euch, noch geh ich nicht flöten.

Was verkrüppelt, das läßt wachsen, an erstaunlich anderer Stelle,
aber sachte, dennoch stetig, nichts gedeiht so auf die Schnelle.

Nun paß ich nicht mehr und noch nie in ein bestimmtes Schema,
auch Krüppel reisen Richtung Greise, das ist schließlich unser Thema.

Teffi

 

[Frühstücksbühne Museum]